{"id":6123,"date":"2023-06-14T19:01:51","date_gmt":"2023-06-14T17:01:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cimbria-kufstein.at\/?page_id=6123"},"modified":"2023-06-14T19:10:29","modified_gmt":"2023-06-14T17:10:29","slug":"walter-caldonazzi-v-o-olaf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.cimbria-kufstein.at\/?page_id=6123","title":{"rendered":"Walter Caldonazzi v\/o Olaf"},"content":{"rendered":"<p><u>Mitgliedschaften<\/u><br \/>\nMKV: K.\u00d6.St.V. Cimbria-Kufstein<br \/>\n\u00d6CV: K.\u00d6.H.V. Amelungia<br \/>\n<br \/>\n<u>Personalia<\/u><br \/>\nGeboren: 04.06.1916 (Mals)<br \/>\nGestorben: 09.01.1945 (Wien )<br \/>\nPosition: Student<br \/>\nVerfolgung\/Haft: Haft 25.02.1944, Hingerichtet (ermordet) am 09. J\u00e4nner 1945 um 18:04 Uhr<\/p>\n<div class=\"lfloat\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/caldonazzi1.png\" alt=\"\" \/><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/wcladonazzi_kl.png\" \/><\/div>\n<p><u>Lebenslauf<\/u><\/p>\n<p>Walter Caldonazzi &#8211; in Mals in S\u00fcdtirol geboren &#8211; verbringt seine Kindheit in Kramsach in Nordtirol, wohin seine Familie nach dem Ersten Weltkrieg \u00fcbergesiedelt ist. In Kufstein besucht er das Gymnasium, wo er 1931 der Mittelschulverbindung Cimbria Kufstein beitritt.<\/p>\n<p>1933 erleidet er einen schweren Unfall, in dessen Folge er wegen einer Gehbehinderung einen Gehstock ben\u00f6tigt. Nach der Matura geht er nach Wien und beginnt hier an der Hochschule f\u00fcr Bodenkultur Forstwesen zu studieren. 1937 tritt er der Studentenverbindung Amelungia bei.<\/p>\n<p>Seine Burschung am 28.6.1938 f\u00e4llt bereits in die Verbotszeit und wird in der Wohnung von Alfred Hellebart durchgef\u00fchrt. Nach Beendigung des Forststudiums und der Graduierung zum Forst-Ingenieur wird er zun\u00e4chst Assistent bei Prof. Wilhelm Tischendorf an der Hochschule f\u00fcr Bodenkultur und wechselt dann in die private Forstkanzlei von Univ.-Prof. Hermann Flatscher. Da er wegen des erlittenen Unfalls als wehruntauglich eingestuft ist, wird er nicht eingezogen.<\/p>\n<p>Schon sehr bald schlie\u00dft er sich als leitender Funktion\u00e4r der Widerstandsorganisation von Kaplan Heinrich Maier, Mitglied der Studentenverbindung Nibelungia Wien, an. Durch Walter Caldonazzis Initiative bildet sich auch in Kramsach eine Zweiggruppe, die sich aus Arbeitern und Angestellten des Messingwerkes Achenrain zusammensetzt.<\/p>\n<p>Am 25.2.1944 wird Walter Caldonazzi von der Gestapo verhaftet. Man wirft ihm und acht weiteren Mitangeklagten vor,&#8220; von 1942 bis 1944 in den Alpen- und Donaugauen sowie im Auslande durch den Aufbau einer \u00d6sterreichischen Widerstandsbewegung den separatistischen Hochverrat vorbereitet, zum Teil auch staatsfeindliche Flugzettel hergestellt und verbreitet, Hetzinschriften angebracht, Verbindung zum feindlichen Ausland aufgenommen, versucht zu haben, franz\u00f6sischen Kriegsgefangenen die Flucht zu erm\u00f6glichen und Lagepl\u00e4ne deutscher R\u00fcstungswerke ins Ausland verraten zu haben&#8230;.&#8220; sowie Wehrdienstpflichtige durch Besorgung von fiebererregenden Medikamenten dienstunf\u00e4hig gemacht zu haben.<\/p>\n<p>Die Anklage lautet auf &#8222;Selbst\u00e4ndigmachung \u00d6sterreichs zum Schaden des Deutschen Reiches&#8220;. Die Verhandlung findet am 27.\/28.10.1944 vor dem Volksgerichtshof I in Wien statt. Das Verfahren wegen &#8222;Vorbereitung zum Hochverrat, der Feindbeg\u00fcnstigung, der Spionage und der Wehrkraftzersetzung&#8220; endet mit einem Todesurteil durch das Fallbeil und Ehrenrechtsverlust auf Lebenszeit. Im Urteil wird ein weiterer Tatvorwurf nicht aufgenommen:<\/p>\n<p>&#8222;Offenbar durch die h\u00e4ufigen Gespr\u00e4che \u00fcber die Notwendigkeit separatistischer Propaganda veranlasst, glaubte auch der Angeklagte Caldonazzi einen Beitrag leisten zu m\u00fcssen. Er brachte an dem Haus eines Deutschen aus dem Altreich mit Blaukreide die Parolen an: ,\u00d6sterreich den \u00d6sterreichern! Piefke hinaus! Nazibonze&#8220;.<\/p>\n<p>Trotz unertr\u00e4glicher Foltern und Misshandlungen hat er keinen seiner Mitverschworenen verraten. Das Urteil wird am 9. J\u00e4nner 1945 um 18.04 Uhr im LG Wien vollstreckt und er ermordet. Seinen Henkern ruft er nach dem Zeugnis des Gef\u00e4ngnispfarrers Eduard K\u00f6ck zu:<\/p>\n<p>,,Himmlischer Vater, rechne bitte meinen M\u00f6rdern diese Bluttat nicht als S\u00fcnde an; Herr vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun! N\u00e4her mein Gott zu Dir! Es lebe Christus der K\u00f6nig! Dies meine letzten Gedanken ! Lebt wohl alle Ihr Lieben! &#8211; Euer Walter&#8220; [&#8222;Es lebe \u00d6sterreich!&#8220; ist nicht belegt].<\/p>\n<p>Walter Caldonazzi wird zun\u00e4chst entsprechend der damaligen Bestimmung am 10.1.1945 in einem Schachtgrab auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben, dann am 14.6.1947 anl\u00e4sslich des 40. Stiftungsfestes der Amelungia auf Initiative seines Bundesbruders Pfarrer Josef Enzmann in den Klosterfriedhof von Breitenfurt bei Wien umgebettet. Am 26.10.1975 werden seine Gebeine erneut exhumiert und endg\u00fcltig in der Familiengrabst\u00e4tte seiner Schwester Herta am Pradler Friedhof in lnnsbruck beigesetzt.<\/p>\n<p>Aus seiner Haftzeit ist eine Reihe von Briefen erhalten, die ein ersch\u00fctterndes Zeugnis von seinem katholischen Glauben und seiner Liebe zu \u00d6sterreich geben. In einem Brief an seine Familie vom 1. J\u00e4nner 1945 hei\u00dft es<\/p>\n<p>&#8222;&#8230; Meine Tage und Stunden sind bereits gez\u00e4hlt, wisset, dass ich mein Leben gerne f\u00fcr die Heimat hingebe, obwohl mich der Gedanke an meine Heidi und Hertha so manche bittere Tr\u00e4ne kostet. Ihr wi\u00dft, ich war immer ein Gegner des Krieges, immer ein Feind des geistlosen preu\u00dfischen Militarismus. Macht mir keine Vorw\u00fcrfe, bitte, mir war dieser scheu\u00dfliche Tod vorgezeichnet, ich trage mein Los voll treu ergeben als treuer Christ. Eine Freude h\u00e4tte ich, dass hei\u00dft Bitte: Bringt mir am sch\u00f6nsten Platz der Welt, wie es mir schien, am Almkranz auf der Praa-Alm ein Marterl an mit der Bitte um Gebet und den Worten , O Land Tirol, mein einzig Gl\u00fcck, dir sei geweiht mein letzter Blick! &#8218;&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Diesen Wunsch erftillt ihm seine Amelungia mit der Gedenktafel am &#8222;Caldonazzi- Kreuz&#8220;, das am 18.9.1993 hoch oben in der Wildsch\u00f6nau gesegnet und als neue Amelungen-Gedenk- und Wallfahrtsst\u00e4tte eingeweiht worden ist.<\/p>\n<p>Mitgefangene Walter Caldonazzis sind neben den Widerstandsk\u00e4mpfern der Gruppe Messner-Maier-Caldonazzi auch Mitglieder der \u00d6sterreichischen Freiheitsbewegung.<\/p>\n<p>Tragisch ist auch die Begegnung mit seinem Bundesbruder Ernst Ortner im Landesgericht: &#8222;&#8230;Ernst Ortner, Lienz, machte mit mir die Mittelschule und war auch Cimber. Nach zehn Jahren sehen wir uns hier wieder!&#8230;.&#8220; (Brief an seine Familie vom 5. J\u00e4nner 1945)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Quelle:<br \/>\nKrause, Peter\/Reinelt, Herbert\/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhn, Manfred (\u00d6VfStG, Wien) S. 41-43. Photo: Archiv K.\u00d6.H.V. Amelungia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitgliedschaften MKV: K.\u00d6.St.V. Cimbria-Kufstein \u00d6CV: K.\u00d6.H.V. Amelungia Personalia Geboren: 04.06.1916 (Mals) Gestorben: 09.01.1945 (Wien ) Position: Student Verfolgung\/Haft: Haft 25.02.1944, Hingerichtet (ermordet) am 09. 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